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Geleitwort Wer die "Deutschen Standards" als etwas in Granit gehauenes und in eherne Lettern gegossenes versteht, muß irren. Tatsächlich ist die Reihe der "Ökologischen Innovationen", die in diesem Buch vorgestellt werden, eine Musterung, eine Bestandsaufnahme noch ganz am Anfang eines langen Weges. Das kann auch gar nicht anders sein. Wie lange ist es her, daß Ökologie - sprich die Schonung von endlichen Ressourcen und Energie, die Vermeidung von problematischen Stoffeinträgen in die Umwelt und der Erhalt der natürlichen Ökosysteme - als Anforderung an Produkte und Dienstleistungen weitestgehend akzeptiert ist? Gemessen an Produktions- und erst recht an Bewußtseinszyklen erst ein paar geschichtliche Atemzüge! Noch vor kurzem bestand das Maximum an betrieblichem Umweltschutz in den nachsorgenden Technologien, die mit großem Aufwand Schadstoffe aus Abluft oder Abwasser herausfilterten, um danach dennoch in aller Regel ein Abfallproblem zu haben. Die Produkte selbst rückten als Umweltfaktor erst nach und nach in das Blickfeld. Wenn das vorliegende Buch dennoch bereits eine stattliche Anzahl ökologischer Innovationen würdigen kann, dann liegt das meines Erachtens vorwiegend an zwei Faktoren. Zum einen gibt es eine ganze Reihe althergebrachter, fast schon altertümlich anmutender Maßstäbe an die Herstellung und den Gebrauch von Produkten, die sich plötzlich wieder als aktuell, ja modern und im hohen Maße als umweltbewußt herausstellen: Hohe Qualitätsansprüche an Werk- und Inhaltsstoffe und Verarbeitung, eine zeitlose Gestaltung, die Klassiker auszuzeichnen pflegt, eine gewisse Reduktion auf das Notwendige, dazu Gebrauchs- und Reparaturfreundlichkeit und somit Summa Summarum ein intelligentes langlebiges Produkt. Also eine konsequente Abkehr vom Wegwerfprinzip, die nicht nur Deponien und Rohstofflager entlastet, sondern uns mit Produkten umgibt, die das Potential haben, uns ans Herz zu wachsen und eine Wertschätzung zu genießen, die nur ein langer und erfreulicher Gebrauch erzielen kann. Der zweite Faktor ist der Pioniergeist, der hinter den Produkten steht. Es muß auffallen, daß die meisten hier vorgestellten Dinge nicht aus den Fertigungshallen der großen Konzerne hervorgegangen sind, sondern daß die weitaus größte Zahl aus kleinen und mittleren Unternehmen stammt. Dahinter lassen sich leicht die Individuen identifizieren, die sich getraut haben, ihren Ideen nachzugehen und sie mit Engagement und Beharrlichkeit, wahrscheinlich auch mit einem Gutmaß an Begeisterung zu verwirklichen. Die es außerdem geschafft haben, auch den Erfolg ihrer Idee zu verkraften und mit ihm zu wachsen. Wenn es aber Pioniere zu würdigen gilt, dann muß auch eine besondere Spezies von Konsumenten genannt werden. Jene Leute nämlich, für die günstige Preise oder der Prestige einer Ware nicht die endgültigen Produktkategorien sind, sondern die sachkundig, hartnäckig und mit Engagment die Interessen von Natur und Umwelt - und in manchen Fällen auch die Erfordernisse der eigenen Gesundheit - auch beim Einkauf wahrnehmen. Eine Haltung, die zunächst mal Unbequemlichkeiten verursacht, von dem Unbehagen am unbefangen Konsum angefangen über die Mühen der Informationsbeschaffung bis zur Identifikation der richtigen Waren und Einkaufsstätten. Und damit nicht zu Ende, denn ein anderer Lebensstil verursacht zwangsläufig auch eine gewisse soziale Auffälligkeit, die in Kauf genommen werden will. Aber, wer die Mühen nicht scheut, hat im Endeffekt auch die größere Befriedigung und durchbricht zumindest partiell den Suchcharakter des Konsums. Und das ist vielleicht der größte Verdienst dieses Buches, daß sein Mantel weit genug geschneidert ist, um nicht nur Produkte im herkömmlichen Sinn abzudecken, sondern auch ganz neue Dienstleistungen und Konzepte, die - wie das Car-Sharing-Beispiel - über das individuelle Besitzen hinausweisen, um neue, intelligente Formen des gemeinsamen Eigentums zu schaffen, indem sie den Widersinn aufdecken, der darin besteht, daß wir viele Produktehaben müssen, die den größten Teil unserer Zeit ungenutzt bleiben. Wenn die neuen Konsumenten gelobt werden, die es als dialogischen Widerpart der Wirtschaftspioniere braucht, dann müssen auch die Medien hervorgehoben werden, die das neue Bewußtsein transportieren und - es sei erlaubt - auch die Verbraucherorganisationen und die Umweltverbände, die es vertreten und anfachen und die ökologisch orientierten Wissenschaftler und Insitute, die das nötige Fachwissen beisteuern. Für alle bieten die "Deutschen Standards" eine angemessene Bühne der Anerkennung, in aller Beispielhaftigkeit, Unvollständigkeit und Vorläufigkeit und auch mit der Einladung zu Disput und Kritik. So, die Spitze sei zum Schluß erlaubt, mag der Tag kommen, an dem Elektrofahrzeuge tatsächlich eine Alternative zu den Verbrennungsmotoren darstellen. Dazu muß aber erst die Stromerzeugung auf ökologische Füße gestellt werden. Ein weites Feld für noch zu schaffende deutsche Standards und ein lohnendes dazu. Andreas Fußer Deutsche Standards; Die ökologischen Innovationen, herausgegeben von Jörg Krichbaum; Edition Arcum; 1996
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